Schulprojekte

Über Geschichte stolpern, erinnern und nachdenken

WHG-Projekt Geschichte
Junge Generation trifft auf „greifbare“ Geschichte
Foto: A. Thiele

Hat die NS-Zeit noch etwas mit uns zu tun? Dieser Frage gingen Schülerinnen und Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums  im Juni 2019 während eines Projektes im Fachbereich Geschichte nach.

Für die Überlebenden des Holocaust, die als Zeitzeugen noch im hohen Alter Schulen besuchen um ihre traumatischen Erfahrungen mit den Jugendlichen zu teilen, fällt die Antwort darauf eindeutig aus: Ja! Sie treibt die Hoffnung an, dass ihre Erinnerung und die Geschichte der im Holocaust Ermordeten eine Chance hat, innerhalb der jungen Generation weiterzuleben.

Über Geschichte stolpern... ,das ist für den aufmerksamen Beobachter im übertragenen Sinne an den über 300 in Neuwied verlegten Stolpersteinen möglich. Sie fordern zum Nachdenken und Erinnern an die Biographien der Deportierten auf, denen es verwehrt blieb, selbst auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Während der Projekttage haben einige Schülerinnen und Schüler durch das Polieren von Stolpersteinen dafür gesorgt, dass diese wieder gut lesbar sind.

Rolf Wüst, Vorstandsmitglied des DIF und Verantwortlicher für das Stolperstein-Projekt in Neuwied, appellierte an die Jugendlichen, Wachsamkeit gegenüber gegenwärtigen und zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklungen setze fundierte Kenntnisse über die Vergangenheit voraus. Sie lehre, dass unsere für selbstverständlich gehaltene Zivilisation nur eine dünne verletzliche Schicht bilde über allem Schrecklichen, wozu Menschen untereinander fähig seien.
(Quelle: Werner-Heisenberg-Gymmasium Neuwied )

 

Schüler der BBS-Heinrichhaus beschäftigen sich mit dem Thema Nationalsozialismus

Das Schülerprojekt
Das Team der BBS bei der Reinigung der Stolpersteine für die Familie Elsoffer in der Heimbach-Weiser Hauptstraße
(Foto: privat)

Im Mai 2017 beschäftigte sich die Klasse des Berufsvorbereitungsjahres mit besonderem Förderschwerpunkt der Berufsbildenden Schule (BBS) im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis ausführlich mit dem Nationalsozialismus und seinen Opfern, insbesondere denen aus Heimbach-Weis.

Viele Schüler kamen während des Projektes zum ersten Mal näher mit der Thematik in Berührung. Was sonst nur aus Geschichtsbüchern bekannt war, wurde real erfahrbar, machte betroffen und nachdenklich. Schicksale und Opfer, die von heutigen Jugendlichen eher als anonym wahrgenommen werden, bekamen Namen und wurden als Mitmenschen erfahrbar.

Rolf Wüst vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis begleitete das Projekt und stand den Fragen der Schüler Rede und Antwort. Auch die Partnerklasse in NY, Burnt Hills, wurde anhand von Fotos und Berichten regelmäßig über das Projekt informiert. So konnten die Schüler ihre neu gewonnenen Kenntnisse an Jugendliche weitergeben, die sonst weniger mit der Thematik in Berührung kommen.

Zum Abschluss des Projektes brachten die Schülerinnen und Schüler die unansehnlich gewordenen Stolpersteine des Stadtteils dankenswerterweise wieder auf Hochglanz.

Die Fotoserie (privat) zeigt die Arbeitsschritte bei der Reinigung:

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Das sagen die Schüler selbst über ihr Projekt:

„Am 22.05.2017 sind wir mit Schwamm und Putzeimer bewaffnet aufge­brochen, um die Stolpersteine in Heimbach Weis zu reinigen. Hierbei kamen wir auch mit Passanten ins Gespräch. Zuvor haben wir uns im Unterricht mit dem Thema Nationalsozialismus auseinander gesetzt. „

• „Wir fanden es gut, mehr über die Jüdische Gemeinde in Neuwied zu erfahren“, meint Malika.
• „Es hat Spaß gemacht, die Steine auf Hochglanz zu polieren“, sagt Fabian K.
• „Es war schön, etwas mit der Klasse zu unternehmen“, findet Anna.
• „Danke, das wir diese Aufgabe übernehmen durften“, antwortete Fabian N.

Das Projekt soll auch im kommenden Schuljahr wieder einen Platz im Unterricht finden.

 

WHG-Schüler informieren sich über die NS-Geschichte der Stadt

ehemaliges Gestapogefängnis
ehemaliges Gestapogefängnis im NS-Dokumentationszentrum Köln
Im April 2016 führte die Klasse 10a des Werner-Heisenberg-Gymnasiums Neuwied (WHG) eine Projektwoche zur NS-Geschichte der Stadt durch.

Rolf Wüst vom Deutsch-Israelischen Freundeskreis Neuwied arbeitete mit den Schülerinnen und Schülern die Frage auf, wie sich die Dominanz der Nazis in einer Stadt durchsetzen konnte, die vom Gründungsansatz her tolerant gegenüber Glaubensflüchtlingen war und von deren wirtschaftlichen Aktivitäten profitierte. Dieser Diskurs sollte die Jugendlichen zum Nachdenken über die Vergangenheit anregen und gleichzeitig den Blick für gegenwärtige Entwicklungen schärfen. Ausgrenzung führe letztlich immer zu Gewalt und Verfolgung, so die Botschaft an die Jugendlichen.

Unter der Anleitung von Rolf Wüst führten die Schüler mit Hilfe der Datenbank auf www.stolpersteine-neuwied.de Recherchen zu Einzelschicksalen von ehemaligen jüdischen Mitbürgern aus Neuwied durch.

Beim Besuch des ehemaligen Gestapogefängnisses in Köln (heute NS-Dokumentationszentrum) wurde den Jugendlichen eindrucksvoll vermittelt, welch extremen Bedingungen die Inhaftierten unterworfen waren, die oft bereits bei kleinstem unliebsamen Verhalten in den Kellern der Gestapo verschwanden.

Häufig gerieten Jugendliche ins Visier der NS-Justiz, wenn sie sich der Hitlerjugend verweigerten und eine eigene Jugendkultur vorzogen. Die Edelweißpiraten, die damals in Köln eine oppositionelle Jugendgemeinschaft bildeten, sind dafür ein typisches Beispiel.

Die bedrückende Enge und die Spuren an den Wänden des Kellers hinterließen einen tiefen Eindruck bei den Schülern. Erschreckend vor allem, da sich das Gebäude mitten in der Stadt befand und somit jeder erahnen konnte, was dort geschah.

 
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