Vereinschronik

Die Anfänge:

Die Anfänge des DEUTSCH-ISRAELISCHEN FREUNDESKREISES NEUWIED (DIF) waren unspektakulär aber von großem Engagement und Idealismus geprägt. Auf einer Studienreise nach Israel lernten sich im Oktober / November 1968 der Kulturdezernent von Neuwied Robert Collet und der Histadrut-Gewerkschaftler und spätere israelische Botschaftsrat David Faran-Frankfurter kennen. Im gemeinsamen Ziel, zur Versöhnung zwischen Christen und Juden, Israelis und Deutschen beizutragen, wurden sie enge Freunde. Zunächst zaghaft, aber beharrlich trugen sie diese Idee in ihre regionalen Vereinigungen und Parlamente.

Es folgten wechselseitige Besuche, gemeinsame Seminare und Diskussionsforen in Deutschland und Israel. Die Basis wurde in beiden Ländern vorsichtig und zurückhaltend gelegt – schließlich mussten zu diesem frühen Zeitpunkt Vorbehalte und Ängste auf beiden Seiten überwunden werden. Dies geschah unter anderem durch Studienreisen der Volkshochschule Neuwied 1972 und 1973 nach Israel.

Es war die Ende 1977 von Dieter Melsbach als dem Direktor der Volkshochschule veranstaltete „Israelisch-Deutsche Woche“ mit fast 2.300 Besuchern, die in der Neuwieder Öffentlichkeit den Boden für eine engere Verbindung Neuwieds mit Israel bereitete und knapp 5 Monate später zur offiziellen Gründung des Deutsch-Israelischen Freundeskreises Neuwied führte. Vorsitzender wurde Robert Collet, Geschäftsführer Dieter Melsbach.

 

Kontakte zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern Neuwieds

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Hilda Spanier (3.v.L.) und Lore Brenauer (2.v.r.) mit ihren Verwandten zu Besuch in Neuwied

Bis zum Jahr 1979 wurden 84 Adressen ehemaliger jüdischer Neuwieder Bürger ausfindig gemacht. Ausgestattet mit einem städtischen Zuschuss besuchten annähernd 50 Personen ihre frühere Heimatstadt, oft begleitet von großer Trauer und tiefen Emotionen.

Inzwischen besucht bereits die Enkelgeneration Neuwied und den jüdischen Friedhof in Niederbieber. Zu den hohen jüdischen Feiertagen senden wir diesen Familien und unseren jüdischen Freunden in aller Welt unsere guten Wünsche und berichten über Neuigkeiten aus Neuwied und über unsere Aktivitäten.

 

Austauschmaßnahmen

Von Anfang an war klar, dass es das Hauptziel unseres Freundeskreises war, Versöhnung und Abbau von Vorurteilen durch Begegnung und gegenseitiges Kennenlernen von Bürgerinnen und Bürgern – besonders von Jugendlichen - beider Länder zu fördern. So fanden von 1981 bis 1994 jährlich wechselseitige Jugendaustausche mit jeweils umfangreichem Programm in Neuwied und in Israel statt.

1982/1983 und 1987/1989 fanden zwei Pädagogenaustausche statt und 1992 besuchte eine israelische Fußballmannschaft Neuwied.

Besonders wichtig und erfolgreich wurde die nach dreijähriger Vorbereitung 1997 gegründete Schulpartnerschaft zwischen der Maximilian-zu-Wied Realschule Neuwied und der Ami-Assaf-Schule in Beit Berl. Beide Schulen organisieren - abgesehen von einer 5-jährigen Unterbrechung wegen der Intifada - seither jährlich gegenseitige Besuche von Schülergruppen.

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Schüler der Ami Asaf Highschool in Drom Hasharon besuchten 2019 die IGS Johanna Loewenherz

In den Jahren 2020 und 2021 konnten die Schüleraustausche wegen der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden.

 

Die Partnerschaft Neuwied – Drom Hasharon

Die Initiative für die Partnerschaft mit Drom Hasharon, einer eher ländlichen Region nördlich von Tel Aviv, ging 1984 von Israel aus. David Faran-Frankfurter und Lea Brakin hatten sich mit besonderem Engagement dafür eingesetzt. Der Neuwieder Stadtrat gab noch im selben Jahr seine Zustimmung zu Verhandlungen. Zum eigentlichen Motor der Partnerschaft wurden in Israel das Ehepaar Uri und Shoshana Naaman aus Yarkona. Mehrere gegenseitige Besuche – auf Neuwieder Seite von Robert Collet und Dieter Melsbach vom DIF und Oberbürgermeister Karl Heinz Schmelzer, auf israelischer Seite vom Bezirksratsvorsitzenden Avraham Lazar und seinem Stellvertreter Avraham Rutzki – führten zur Besiegelung der Partnerschaft im 29 April 1987.

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DIF-Vorsitzender Pfarrer Werner Zupp zu Gast bei Landrätin Oshrat Goni Gonem

Die Partnerschaft wurde in den Folgejahren durch zahlreiche offizielle Besuche gefestigt und durch persönliche Freundschaften vertieft. Die Oberbürgermeister von Neuwied, an ihrer Spitze Manfred Scherrer und Nikolaus Roth, förderten die Partnerschaft ebenso wie die Bezirksratsvorsitzenden Avraham Lazar und sein Nachfolger Motti Delho, indem sie sich jederzeit für die Weiterentwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Partnern einsetzten.

Inzwischen hat die neugewählte Landrätin Oshrat Goni Gonem die Regionalführung von Drom Hasharon übernommen. Im März 2019 reiste eine Delegation des DIF gemeinsam mit Vertretern der Lokalen Agenda Neuwied zu einem Antrittsbesuch nach Drom Hasharon.

Der DIF garantierte seinerseits für die Kontinuität und zahlreiche persönliche Freundschaften an der Basis. Die regelmäßige Teilnahme an internationalen Konferenzen der deutsch-israelischen Partnerschaftsstädte binden die regionalen Aktivitäten in internationale ein.

 

Jüdisches Neuwied und seine Gedenkstätten

Das bedeutendste Mahnmal für die jüdische Gemeinde Neuwieds errichtete der DIF in der Synagogengasse, an der Stelle, an der seinerzeit die Synagoge und die jüdische Schule standen.

Der jüdische Friedhof im Stadtteil Niederbieber, einer der größten in Rheinland-Pfalz und seit 1706 belegt, wurde auf Betreiben des DIF in den 1980er Jahren restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. Zwei Mahnmale erinnern dort an die jüdische Gemeinde, bzw. an die im ersten Weltkrieg gefallenen Neuwieder Juden. Im Jahr 2000 gab der DIF das letzte von zwei Memorbüchern heraus, eine umfangreiche Dokumentation des Friedhofs in Wort und Bild.

Im November 2001 wurde auf dem Friedhof im Stadtteil Heimbach-Weis ein auf überparteiliche Initiative unter Beteiligung örtlicher Vereine zurückgehendes und von Norbert Bleidt gestaltetes Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes und des 2. Weltkriegs eingeweiht.

Für den am Morgen nach der Pogromnacht verprügelten Metzgermeister Ferdinand Levy, der an den Folgen dieser Misshandlung starb, wurde in der Engerser Straße zwischen Schloß- und Mittelstraße eine Gedenktafel angebracht.

An der Stelle der kleinen Synagoge von Niederbieber in der Backhausgasse befindet sich seit 2002 ebenfalls ein Mahnmal mit einer Gedenkplatte. 

Im November 2020 wurde auf Initiative von Hans-Peter Schladt und Frank Hachemer von der katholischen Pfarrei St. Bonifatius eine Gedenktafel in der Bergstraße im Stadtteil Oberbieber angebracht, die an die ehemalige Synagoge erinnert, die an dieser Stelle gestanden hatte.

Projekt Stolpersteine

Seit 2003 nimmt der DIF am internationalen Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig teil. Die zugrunde liegenden Forschungsarbeiten werden von Rolf Wüst geleitet.

Seit November 2015 werden die Forschungsergnisse auf der Internetseite „Stolpersteine in Neuwied“ veröffentlicht und regelmäßig dem aktuellen Erkenntnisstand angepasst

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